Wir werden immer ärmer...

Die Schäden des CO2-Ausstoßes sind viel höher als die Wohlfahrtseffekte des Wirtschaftswachstums. Dennoch bleibt das weltweite Wachstum der Wirtschaft das wichtigste Ziel.

Die Schäden durch Wirtschaftswachstum nehmen zu

In Politik und Wirtschaft  ist der wichtigste Maßstab für das Wohlergehen einer Volkswirtschaft das Wirtschaftswachstum, gemessen in BIP-Steigerung. Und in Deutschland geht derzeit die Rezessionsangst um, weil das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 2. Quartal 2019 mit 0,0% gegenüber dem Vorjahresquartal (real) nicht gewachsen ist. Im Jahr 2018 ist das BIP noch um 1,4% gegenüber dem Jahr 2017 gewachsen, das sind 108,7 Mrd. Euro.

Sind wir dann im Jahr 2018 um 108,7 Milliarden Euro  reicher geworden in Deutschland?

Nicht ganz. Vollständigkeitshalber sollten davon die Schäden abgezogen werden, die wir durch unseren CO2-Ausstoß verursachten.  Im Durchschnitt der letzten Jahre lag der Ausstoß in Deutschland jährlich bei  ca. 1000 Mio Tonnen CO2.  Laut einer Studie des Umweltbundesamtes liegen die Schadenskosten, die der Ausstoß einer Tonne  CO2 verursacht, bei 180 € pro emittierter Tonne CO2. Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass wir mit dem CO2-Ausstoß in Deutschland jedes Jahr Schäden in der Welt in Höhe von 180 Mrd. Euro verursachen. Für das Jahr 2018 gerechnet sind wir als um ca. 70 Mrd. Euro ärmer geworden. Der Verlust ist natürlich nicht spürbar, weil die verursachten Schäden weltweit entstehen und nicht nur vor unserer Haustüre. Wenn beispielsweise durch den Klimawandel erhöhte Sturmschäden entstehen, sehen wir den Verlust vor Ort. Die Beseitigung der Schäden erhöht wiederum das BIP. Das BIP misst die Wirtschaftsleistung, ist aber kein Indikator für Wohlstand.

Übrigens ist das Bild weltweit ebenso:

Wenn das Wirtschaftswachstum für 2019 laut Prognosen des IWF auf 3,5 % sinkt, ist das ein Zuwachs um ca. 3 000 Mrd. Euro. Wie in den letzten Jahren wird der weltweite CO2-Ausstoß auch im  Jahr 2019 um die 35 Mrd. Tonnen CO2 betragen und damit Schäden in Höhe von 5 400 Mrd. Euro verursachen. Wieder ein weltweites Verlustgeschäft. Schlechter Deal.

Für ärmere Regionen mag zusätzliches Wirtschaftswachstum und mehr materielle Güterversorgung mehr Wohlstand bringen. Für die Überfluss- und Wegwerfgesellschaften der westlichen Welt ist der Weg zur CO2-Neutralität und die Verhinderung des Klimawandels existenziell und Garant für gutes Leben.

Auch Teile der Wirtschaft haben die Selbstzerstörung erkannt

Nicht nur der grüne Energiesektor auch der globale Finanzsektor mit 415 Großbanken, Pensionsfonds, Lebensversicherern, Vermögensverwaltern forderten 2018 auf der UN-Klimakonferenz in Katowice nicht weniger als die Abschaltung von Kohlekraftwerken, das Ende der Subventionierung fossiler Brennstoffe sowie die Einführung eines „bedeutenden“ Preises für den CO2-Ausstoß. Nicht nur die Fridays for Future Bewegung fordert ein Umdenken, sondern auch weite Teile der Wirtschaft. Das politische Nichtstun ist also nur Klientelpolitik für die fossile Energiebranche.

Auch die Bundeskanzlerin Merkel hat die wirtschaftliche Dimension erkannt und stellte am 20. August 2019 in Island richtig fest: Dass der Preis des Nichtstuns höher sein wird als der Preis des Handelns. Es ist Zeit zu handeln. Auch für die Politik.